Trekking in Sikkim und Darjeeling

Ein Bericht über eine 4-wöchige Reise in den Nordosten Indiens
(vom 14. Mai bis 10. Juni 2000) Teil 12.

Dharma the Cat - Ego
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Dzongri Trek IV Tshoka-Yuksam

Das Frühstück am folgenden Morgen war wie immer sehr umfangreich und schmackhaft, so dass wir gegen 8:00 Uhr gut gestärkt die letzte Etappe des Abstiegs beginnen konnten. Ein Hund begleitete uns eine ganze Weile, bis Herr Thupten ihn sehr energisch davon in Kenntnis setzte, dass seine Anwesenheit nicht erwünscht ist. Wir standen ja bei unserem ersten Trek vor einem ähnlichen Problem und waren doch sehr überrascht wie einfach es Herrn Thupten fiel, den Hund zu verscheuchen. Er schrie den Hund ein paar mal an »Tscha, Tscha« und schreckte auch nicht davor zurück einen Stock nach ihm zu werfen, mit Erfolg, denn der Hund blieb weg.

Auf dem weiteren Weg bergab kamen uns zahlreiche Dzo auf ihrem Weg zu den Weiden entgegen. Diese Kreuzung zwischen Yak und Kuh ist zwar nicht so widerstandsfähig wie das in Sikkim domestizierte Yak, es kann jedoch auch in Höhen unterhalb 3000m überleben. Herr Thupten erzählte uns, dass die Dzo recht eigenwillige Tiere sind und man ihnen am besten aus dem Weg gehen sollte, was aber auf den schmalen Pfaden nicht immer ganz einfach ist. Immer wieder wies uns Herr Thupten an, die Shortcuts zu nehmen, so daß wir gut voran kamen.

Thema unserer Gespräche während dieses Abschnitts war die jüngere Geschichte Sikkims: »Wie kam Sikkim zu Indien? Was hat sich seitdem geändert? Wie geht es weiter mit dem Tourismus?« All diese Fragen wurden in mittlerweile gewohnter Zurückhaltung beantwortet und wir erhielten einen ganz persönlichen Einblick in das gesellschaftliche und politische System Sikkims. Ob Deutschland oder Sikkim, Machtmissbrauch in Politik und Wirtschaft scheint ein globales Problem zu sein, unabhängig von Religion, wirtschaftlicher Lage, politischem System oder anderen landestypischen Eigenheiten. (Anmerkung der Redaktion: Indien gehört zu den größten Demokratien dieser Erde und welches Land außer Deutschland wurde 16 Jahre lang von einem über 100kg schweren Kohl regiert?)

Das Wetter verschlechterte sich und gelegentlich fiel etwas Regen durch das dichte Blätterdach. Wir trafen zwei in Katmandu lebende Italiener, welche mit ihrem recht jungen Führer auf dem Weg nach Tshoka waren. Die Italiener erzählten uns, dass sie in Katmandu mit Möbeln handeln und hier in Sikkim Urlaub machen. Es war nicht zu übersehen, dass sie der buddhistischen Religionsgemeinschaft angehörten, die Art und Weise jedoch, wie sie ihre Zugehörigkeit nach Außen hin demonstrierten, irritierte uns etwas. Wir waren froh, dass wir nur zu Zweit unterwegs waren. Nach etwas Smalltalk trennten sich unsere Wege wieder und wenig später erreichten wir die ersten Häuser von Yuksam.

 

Yuksam

Sabine in Yuksam

Nach einer kurzen Erfrischung am Weg kamen wir am Wild Orchid Hotel am frühen Nachmittag wieder an. Ausruhen und dann Duschen war der Plan, welcher auch sofort umgesetzt wurde. Wassereimer und Schöpfbecher waren mittlerweile bekannte Duschutensilien, was Sabine jedoch etwas überraschte, war eine große Menge Froschlaich auf dem Boden des Badezimmers. Der Laich nahm den Weg alles irdischen, durch das Loch im Boden ab in den Garten. Wir machten uns einen gemütlichen und beschaulichen Nachmittag, spazierten etwas durch das Dorf, beobachteten Neuankömmlinge und Abreisende, erledigten ein paar kleine Einkäufe und ließen es uns gut gehen. Unsere Crew verwöhnte uns ein letztes mal mit Tee und Gebäck, und angesichts der nahenden Abreise stellte sich eine leicht melancholische Abschiedsstimmung ein.

Wir hatten geplant am nächsten Morgen direkt nach Kalimpong zu fahren, die Abfahrtzeit des einzigen Busses sowie des regelmäßigen Jeeps lagen jedoch weit vor 7:00 Uhr, und wir hatten es nun wirklich nicht eilig diesen beschaulichen Ort zu verlassen. Wir entschlossen uns einen Jeep zu chartern welcher uns am späteren Morgen direkt nach Kalimpong bringen sollte und mit Hilfe von Herrn Thupten arrangierten wir das Ganzen noch am selben Abend. Das Thema Trinkgeld beschäftigte uns schon eine Weile, wobei die Höhe der noch offene Punkt war, nicht ob oder ob nicht. Nach langem hin und her entschieden wir uns für folgenden Verteilschlüssel: Träger und Koch sollten ein Trinkgeld in bar erhalten, schön verpackt mit einer persönlichen Widmung, der Anteil des Kochs sollte etwas höher sein; für Herrn Thupten hatten wir ein Päckchen mit Gebetsfahnen vorgesehen, welches er bei einer der nächsten Touren zum Dzongri aufhängen sollte.

 
Abschiedskuchen

Nach dem Abendessen, welches, eigentlich müsste ich es nicht betonen, ausgezeichnet war, überreichten wir unsere kleinen Geschenke. Es war schon eine besondere Stimmung als ich unsere Crew die kleinen Päckchen übergeben habe, doch dieser Augenblick verblasste, als uns die Abschiedstorte präsentiert wurde. Wir waren sprachlos und gerührt angesichts dieser gelungenen Überraschung, doch es sollte noch schlimmer kommen. Herr Thupten überreichte uns am Ende dieser Zeremonie je einen weißen Schal als Zeichen seiner Freundschaft. Gerade weil Herr Thupten in den vergangenen Tagen durch seine diskrete, ruhige und zurückhaltende Art unserem Trek eine besondere, fast andächtige Stimmung verliehen hat, waren wir von seiner Geste sehr beeindruckt. Mir ist klar, daß eine Beobachter die ganze Situation als extrem kitschig, übertrieben und aufgesetzt beschreiben könnte, ich persönlich war aber zu tiefst gerührt. Erst als jemand auf die Idee kam endlich den Kuchen zu verteilen, wurde wieder gesprochen. Der Kuchen lag uns schwer im Magen als wir an diesem Abend ins Bett gingen und die Vermutung lag nahe, dass ein wesentlicher Bestandteil dieses Backwerks die restlichen Eier aus unserem Trekkingproviant waren.

 
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